Laudatio zu Ehren des Heiligen Leonhard.
Patronat
Der heilige Leonhard, dessen Gedenktag wir am 6. November begehen, wird insbesondere als Schutzpatron der Gefangenen verehrt. Häufig wird er – gekleidet in schwarzem Habit, Brustkreuz und Krummstab – mit einer zerbrochenen Kette dargestellt, weshalb er zudem als Fürsprecher des Nutzviehs gilt, vor allem der Pferde und Rinder. Diese Doppelfunktion ist darauf zurückzuführen, dass man zeitweise die zerbrochene Kette als Viehkette ansah.
Leben und Wirken
Der Legende nach entstammte Leonhard dem fränkischen Adel und wurde im 6. Jahrhundert um das Jahr 500 geboren. Bei Limoges im heutigen Frankreich wurde er am Hof des Merowikingerkönigs Chlodwig I. erzogen.
Es heißt, der junge Leonhard suchte regelmäßig Gefangene auf und ersuchte ihre Freilassung. Später lehnte er die ihm angebotene Bischofswürde ab, um sich als Eremit im Wald in die Abgeschiedenheit zurückzuziehen. Die Legende besagt, es seien durch das Gebet des heiligen Leonhard oder auf seine Anrufung hin auf wundertätige Weise die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen.
Man erzählt, König Theodebert und seine hochschwangere Frau weilten in den Wäldern von Limoges, wo die Königin Wehen bekamm. Leonhard eilte zu Hilfe und rettete ihr und dem Kind das Leben. Zum Dank wollte der König ihn mit Reichtum ehren. Doch Leonhard erbat sich lediglich so viel Waldfläche, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne. Diesen Wunsch erfüllte der König. Leonhard gründete auf dem geschenkten Land das Kloster Noblat (St-Léonard-de-Noblat), das heute noch besteht.
Am 6. November 559 starb Leonhard und wurde in der von ihm erbauten Klosterkirche beigesetzt.
Brauchtum und Verehrung
Der eigentliche Verehrungskult begann, nachdem im 11. Jahrhundert die Reliquien des Heiligen Leonhard öffentlich ausgestellt wurden. Insbesondere im 17. Jahrhundert zog der Heilige Leonhard in die bayerischen Dorfkirchen ein. Heute sind zahlreiche Gotteshäuser und Kapellen dem „Kettenheiligen“ – wie er wegen seiner Darstellungsattribute auch genannt wird – geweiht. Zum Pferdepatron wurde er erst im 17. und 18. Jahrhundert, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, im Laufe der Zeit als Viehketten deutete. Im 19. Jahrhundert erreichte die Verehrung in Bayern ihren Höhepunkt: Man nannte ihn „Bauernherrgott“. Er zählt zu den 14 Nothelfern, die immer dann angerufen werden, wenn im Stall mit dem Vieh etwas nicht stimmt. So manche Bauernregel zeugt von der Verbindung der bäuerlich geprägten Bevölkerung zu ihrem Schutzpatron:
Wenn auf Leonhardi Regen fällt, ist’s mit dem Weizen schlecht bestellt.
Wie’s Wetter an Leonhardi ist, bleibt’s bis Weihnachten gewiss.
Nach der vielen Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre.
Im traditionsbewussten Bayern und Teilen Österreichs gilt der Namenstag des Heiligen Leonhard als einer der höchsten Feiertage. Ihm zu Ehren werden vielerorts Umzüge, die sogenannten Leonhardiritte veranstaltet.
Zahlreiche Reitvereine sind nach ihm benannt. Über 50 Leonhardi-Wallfahrten allein in Bayern manchmal auch mit Dulten oder Jahrmärkten zeugen von der großen Verehrung bis auf den heutigen Tag. Der Leonhardiritt im oberbayerischen Bad Tölz beispielsweise gilt als einer der größten und prächtigsten Umzüge mit etwa 80 Vierergespannen. Der 6. November gilt dort sogar als Stadtfeiertag. Weitere festliche Umzüge mit üppig geschmückten Pferdegespannen rund um den Gedenktag sind u. a. verbreitet in Benediktbeuern, Schliersee, Gmund am Tegernsee oder Froschhausen bei Murnau.
Auch in Niederbayern soll es noch 29 Leonhardiritte geben, so z. B. in Aigen am Inn, Simbach am Inn oder Haberskirchen. Nicht zu vergessen ist auch der Leonhardiritt in Furth im Wald.
Mancherorts ist es gar Brauch, die Pferde zum Leonhardi-Festzug neu zu beschlagen und die alten Eisen an die Kirchentür zu nageln. Vielfach werden ihm auch Votivtafeln und Kerzen gestiftet. Wegen seines gottgefälligen Lebenswandels gilt Leonhard als Nothelfer in vielen Lebenslagen. Neben den bereits erwähnten gilt der Heilige Leonhard zudem als Wohltäter der Metzger und Schäffler, Fuhrmannsleute, Knechte, Schmieden und Schlossern.
Leonhardiritte auf den Brandlberg
Kulturarbeit und Brauchtumspflege mit dem Ziel der Verbreitung und Vertiefung des Heimatgedankens gehören gemäß Vereinssatzung zu einer der Hauptaufgaben des Bayerischen Waldvereins. So schafften die Mitglieder der Sektion Bogen mit viel Hingabe ein Kleinod auf dem Brandlberg. In hoher Eigenregie und leidenschaftlichem Engagement entstand dort im Jahre 1991 die Leonhardikapelle. Stolz thront das Gotteshäuschen idyllisch am Waldrand, blickt hinaus auf die Donauebene und lädt so manchen Wanderer oder Spaziergänger zum Verweilen ein.
Am 6. November 1993 – zwei Jahre nachdem die Leonhardikapelle am Brandlberg ihre Weihe empfangen hatte – fand der erste Leonhardiritt zu dieser statt. Beachtliche 45 Reiter fanden sich damals beim nahegelegenen Landstorfer-Hof in Freundorf ein, um am prächtigen Reiterzug mit musikalischer Umrahmung durch den Spielmannszug der FFW Oberalteich teilzunehmen. Nach dem feierlichen Festgottesdienst gab man den Pferden zum Zeichen des Segens geweihtes in Weihwasser getränktes Brot.
Der Leonhardiritt auf den Brandlberg etablierte sich nach und nach zu einer festen Institution im Bogener Raum. Weithin bekannt erfreute sich der herbstliche Ritt immer größerer Beliebtheit bei Groß und Klein. Die Teilnehmer- wie auch die Besucherzahlen nahmen stetig zu.
Bereits im Jahr 1996 durfte man bereits stolze 70 Reiter verzeichnen. Im Jahr 2000 wuchs die Zahl auf anerkennenswerte 122 Reiter an! Bis zum Jahr 2003 wurde er alljährlich im November abgehalten, in den Folgejahren im Zwei-Jahres-Rhythmus – pünktlich zum Gedenktag des Heiligen Leonhard. Auch bei jungen Pferdeliebhabern mit ganzen Pferdegespannen fand das Ehrenfest Anklang.
Doch nicht nur zu Pferden war die inzwischen legendäre Veranstaltung beliebt. Das Interesse der Bevölkerung wuchs stetig. Im Jahr 2005 besuchten rund 850 Schaulustige das historische Schauspiel.
Das Interesse der Bevölkerung stieg gleichfalls ständig, so zählte man zuletzt im
Jahre 2005 rund 850 Besucher. In den Jahren 2005 bis 2013 fanden auf dem Kleinod am Brandlberg alle zwei Jahre die Pferdespektakel statt. Aus verschiedenen Gründen wurden die weithin bekannten und beliebten Leonhardiritte schließlich eingestellt.